Marine-Ferngläser – für den richtigen Durchblick an Bord

Fernglas

Wofür braucht man noch (analoge) Seekarten, Sextant und Kompass, wenn es heutzutage doch GPS-Daten und Satelliten gibt, die nicht nur das nautische Navigieren so viel einfacher machen?

Das mag sich manch junger Matrose fragen, der im digitalen Zeitalter groß geworden ist. Und im Großen und Ganzen hat er Recht, denn natürlich wird die Navigation heutzutage hauptsächlich über GPS gehandhabt. Man sollte sich allerdings nicht allein auf die Technik verlassen, denn diese kann immer einmal versagen, und dann muss man doch auf die traditionellen und herkömmlichen Methoden zurückgreifen. Neben einem Kompass ist daher ein Fernglas an Bord für dich unerlässlich. Das Binokular hilft dir dabei, weiter entfernte Gegenstände besser zu erkennen. Bei der Einfahrt in einen unbekannten Hafen ist ein Fernglas daher auch trotz GPS und moderner Technik sehr hilfreich.

Auch Hindernisse auf dem Wasser lassen sich mit einem Fernglas früher erkennen und einschätzen. Zusätzlich lässt sich mit solch einem Fernrohr die Aussicht natürlich viel besser genießen. Wir haben mal zusammengestellt, worauf du beim Kauf von Marine-Ferngläsern achten solltest.

Fernglas ist nicht gleich Fernglas

Doch Fernglas ist nicht gleich Fernglas und so solltest du für dein Segelboot und allgemein für den Bootssport ein Marine-Fernglas haben. Diese Marine-Ferngläser sind genau auf die Bedürfnisse der Segler an Bord ausgerichtet und überzeugen mit einer sehr guten optischen Leistung. Zudem ist man an Bord meist einem schwankenden Untergrund ausgesetzt, der es noch anspruchsvoller macht, ein scharfes und stabiles Sichtfeld zu bekommen. Damit das Fernglas mit den Schwankungen zurechtkommt, solltest du darauf achten, dass die Vergrößerung etwas geringer ist und das Austrittsfeld dafür größer.

Besondere Ansprüche an Marine-Ferngläser

Wenn du auf der Suche nach einem Marine-Fernglas bist, solltest du darauf achten, dass es einige Bedingungen erfüllt: So sollte das Fernglas schwimmfähig sein, denn es kann immer passieren, dass es dir ins Wasser fällt. Nicht nur für diesen Fall ist es wichtig, dass das Fernglas nicht rostet und nicht korrodiert, denn Gischt und die oft salzhaltige, feuchte Seeluft sind bekanntermaßen ziemlich aggressiv und greifen schnell das Material an. Daher solltest du auf robustes und strapazierfähiges Material achten. Sehr nützlich ist auch eine Stickstoff-Füllung im Inneren des Fernglases. Durch diese Füllung wird dafür gesorgt, dass keine Nässe und Feuchtigkeit von Außen eindringen kann, sodass auch ein Beschlagen der Gläser verhindert wird. Auch für die Schockresistenz der Marine-Ferngläser ist diese Stickstoff-Füllung von Vorteil.

Damit dir das Fernglas auch bei feuchten Bedingungen nicht aus der Hand rutscht, solltest du auf eine Gummibeschichtung achten. Entweder befindet sich diese nur auf den „Griffen“ des Fernglases, also dort, wo man es festhält. Viele Hersteller beziehen aber auch das ganze Gerät mit einer Gummiarmierung, sodass überall Rutschfestigkeit herrscht.

Schwimmtragegurt von Steiner für Marine-FerngläserZusätzlichen Halt gibt ein schwimmfähiger Gurt, den du um den Hals legst. Sollte das Marine-Fernglas doch mal über Bord gehen, treibt dieser Gurt wieder auf und hält das Fernglas somit knapp unter der Wasseroberfläche. Wenn du den Gurt in einer leuchtenden Farbe wählst, kannst du ihn auch bei schlechten Sichtverhältnissen relativ leicht finden. So wird die Chance minimiert, dass dein geliebtes Fernglas verloren geht.

Wichtig für die Navigation

Nicht unbedingt notwendig, aber äußerst praktisch, ist ein im Fernglas integrierter Kompass. So lässt sich beim Durchschauen der Kurs kontrollieren. Einige Hersteller bieten diese integrierten Kompasse sogar mit Beleuchtung an, sodass du auch bei Dunkelheit oder schlechten Wetterbedingungen diese Zusatzfunktion nutzen kannst.
Durch eine im Fernglas eingebaute Strichplatte lässt sich nicht nur die Entfernung zu Objekten, sondern auch die Höhe messen. Das ist sehr nützlich, wenn man unsicher ist, ob der Mast des Bootes irgendwo durch passt, etwa unter einer Brücke.

Gute Sicht an Bord bei jedem Wetter

Das Wetter auf dem Wasser kann mitunter sehr abwechslungsreich und extrem sein, denn die Sonneneinstrahlung ist stärker, ebenso wie der Wind mehr Auswirkungen hat. Damit bei Sonnenschein ein guter Durchblick gegeben ist, empfehlen sich sogenannte Augenmuscheln aus Gummi, die dicht abschließen und so kein Licht reinlassen.

Aussicht an der Reling

Bei stärkerem Seegang bietet dir eine mindestens 7fache Vergrößerung weiterhin eine gute Sicht. Zudem sollte die Objektivöffnung groß genug sein, damit bei schlechterem Wetter für ausreichend Lichtstärke gesorgt ist. Das heißt, dass der Durchmesser des Objektivs bei dunkleren Lichtverhältnissen mindestens 50 mm betragen sollte. Bei gutem Wetter reichen auch schon 30 mm. Diese Bedeutung steckt hinter der Angabe 7×50 oder 7×30, die man in der Beschreibung von Marine-Ferngläsern oft findet.

Porro-Prisma

Steiner Marine-Fernglas Navigator Pro-7x50 mit KompassDie Aufgabe von Prismen in Ferngläsern ist es, das vor dem Objektiv erzeugte, auf dem Kopf stehende und spiegelverkehrte Bild wieder richtig herum darzustellen. Ferngläser mit einem Porro-Prisma haben dabei eine klassische Bauart: Okular und Objektiv befinden sich dabei nicht in einer Linie, sondern stehen versetzt zu einander.
Die Marine-Ferngläser mit einem Porro-Prisma überzeugen durch Handlichkeit, einem großen Gesichtsfeld sowie einem sehr räumlichen und plastischen Bild bei einer Entfernung bis zu 100 Metern.
Als weitere Bauart gibt es das Dachkant-Prisma, das in der Herstellung deutlich aufwendiger ist, und bei dem Okular und Objektiv in einer Linie stehen, wodurch das Fernglas kompakter ist.

Spezialfälle

Brillenträger, die auf beiden Augen unterschiedliche Sehstärke haben, greifen beim Kauf eines Fernglases am besten auf eins zurück, bei dem sich der Abstand zwischen Okular und Objektiv bei beiden Sehrohren unabhängig voneinander einzeln einstellen lässt. So kann der Dioptrien-Unterschied ganz schnell ausgeglichen werden.
Bei älteren Leuten wird oft dazu geraten, zu Ferngläsern mit kleinerer Austrittspupille zu greifen. Denn die Ausdehnung der Pupille lässt im Alter nach, sodass bei größeren Austrittspupillen das einfallende Licht vom Nutzer nicht mehr vollständig genutzt werden kann. Allerdings wird die Öffnungsabnahme der Pupille im Alter oft überschätzt, sodass die Nutzer in fortgeschrittenem Alter häufig zu kleine Fernglasgrößen nutzen. Ältere Käufer von Marine-Ferngläsern sollten daher ruhig zu größeren Austrittspupillen greifen, um das bestmögliche Seherlebnis zu erfahren.

Und? Haben wir für mehr Durchsicht gesorgt?

2 Gedanken zu „Marine-Ferngläser – für den richtigen Durchblick an Bord

  1. Hallo,
    Marine-Ferngläser sind eine sehr interessante Sache. Eigentlich frage mích mich oft warum nicht eine Firma anfängt ein Marine-Fernglas als „Survival-Fernglas“ zu vermarkten. Durch einen eingebauten Komprass wäre eine Marine-Fernglas geradezu dafür predistiniert.
    Zusätzlich gibt es heute auch eine Menge von Marine-Ferngläsern die zusätzlich noch einen Entfernungsmesser besitzen.

    Viele Grüße,
    Christian

  2. Außerordentlich wichtig bei Ferngläsern für die Maritime Nutzung sind neben Robustheit eine gute Verarbeitung, um bei allen Wetterlagen zum Einsatz kommen zu können. Minderwertige Verarbeitung führt hin und wieder dazu, dass die Linsen nicht Wasserdicht abgedichtet wurden und so Wasser zwischen Prima und Okular bzw. Objektiv kommt. Deshalb ist für den Einsatz von Fernrohren auf See unbedingt auf renommierte Hersteller zu setzen.

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