Der richtige Fender an Bord erspart viel Arbeit im Winterlager!

Anlegen am Steg, fest machen in der Schleuse oder im Päckchen liegen mit mehreren Booten - ohne Bootsfender wäre das alles nicht möglich. Moderne Fender sind meist aus weichem PVC gefertigt, aufblasbar und in einer Vielzahl an Formen, Größen und Farben erhältlich. Allen gemeinsam ist es, das Boot vor Kratzern, Beschädigungen und Verschmutzungen an der Bordwand zu schützen. Jedes Boot braucht sie! Aber welche Fender gehören an Bord? Wie groß sollten sie sein, welche Form sollten sie haben und wie viele braucht man? 12Seemeilen.de fendert alle Fragen ab!

Wie viele Fender in welcher Form und Größe?

Eine Faustregel für die Anzahl der Fender an Bord lautet: Es sollte pro 2,5 Meter Bootslänge jeweils ein Fender pro Schiffsseite an Bord sein. Ein 10-Meter-Boot sollte also 8 Fender an Bord haben, jeweils für die Steuerbord- und die Backbordseite vier Fender. Grundsätzlich sollten es aber bei kleinen Booten mindestens zwei pro Bootsseite sein, damit das Boot beim Anlegen nicht zum Bug- oder Heckbereich ausscheren kann. Welche Größe Fender haben sollten, hängt von Länge, Gewicht und Typ des Bootes ab.

Als kleine Entscheidungshilfe für die Größe der Fender, hier eine Übersicht:

Bootslänge

Langfender

Kugelfender

Fuß

Meter

Durchmesser

Durchmesser

10'

3 m

8 cm

-

10-15'

3 – 4,6 m

8 - 11 cm

20 - 25 cm

15-20'

4,6 – 6,1 m

12 -14 cm

30 cm

20-25'

6,1 – 7,6 m

15 -17 cm

35 - 38 cm

25-35'

7,6 – 10,7 m

20 - 22 cm

45 cm

35-50'

10,7 – 15,2 m

27 - 30 cm

55 cm

50-60'

15,2 – 18,3 m

30 cm

65 cm

60-72'

18,3 – 21,9 m

38 - 61 cm

65 - 68 cm

Es ist manchmal auch sinnvoll, Fender unterschiedlicher Größe und Form an Bord zu haben, um auf unterschiedliche Situationen sicher reagieren zu können. Motorboote haben beispielsweise eine andere Rumpfform als Segelboote. Sie sind meist breiter und haben einen weiter überhängenden Bug. Hier ist ein Kugelfender für den Bugbereich an beiden Bootsseiten sinnvoll. Kugelfender sind im Umfang breiter, können mehr abfendern und sorgen so auch bei viel Winddruck oder Schwell/Dünung noch für sicheren Abstand. Auch beim Anlegen mit dem Heck am Steg leisten sie durch ihre Form guten Schutz. Sie sind allerdings auch schwerer und können durch ihre runde Form wegrollen.

Diesen Nachteil haben Langfender nicht. Sie sind an Bord als Fenderform unverzichtbar. Besonders bei höheren Bordwänden decken sie den Rumpfbereich durch ihre lange Form gut ab und schützen vor Beschädigungen. Meist haben sie an beiden Enden Befestigungsmöglichkeiten für Leinen und können so nicht nur längs, sondern im Bedarfsfall auch quer verwendet werden. Man sollte darauf achten, stets Fender gleicher Größe und Ausführung zu kaufen. Nebeneinander hängende dicke und dünne, runde und flache Fender sind kaum in der Lage, hohe Belastungen gemeinsam aufzunehmen. Außerdem entspricht es nicht der „Guten Seemannschaft“ (Knigge des Deutschen Seglerverband) eine Fender-Sammlung an Bord zu präsentieren.

Eine besondere Fenderform für einen speziellen Einsatz an Bord ist der Bugfender. Er wird vorne an der Bugkante genutzt und schützt diese bei Anlegemanövern an den Steg. In der Höhe kann er an Bord unterschiedlich hoch befestigt werden und kann so variabel bei alle Anlegemanöver helfen. Praktisch ist es, wenn Fender neben ihrer Schutzfunktion auch noch als Tritthilfe dienen können. So lässt sich über eine Fenderleiter (auch Treppenfender genannt) - wahlweise mit bis zu vier Stufen - bequem an Bord gelangen. Allerdings nehmen sie nicht so viel Druck auf, wie dazu Langfender oder Kugelfender in der Lage sind.

Und welche Fender am Steg?

Sogenannte Stegfender werden nicht mit aufs Boot genommen, sondern direkt am Steg befestigt. Sie haben - bei genauer Platzierung am Steg - den Vorteil, dass man sicher sein kann, dass das Anlegemanöver ohne Beschädigungen am Boot gelingt. Und das, ohne dass der Skipper bootseigene Fender an der Bordwand aushängen muss. Es gibt sie als Eckfender um hervorstehende Ecken abzupolstern, für das seitliche Anlegen in länglicher aber schmalerer Form, und als sogenannte Pontonfender für längere Kanten an Steganlagen.

Neben den bisher aufgeführten aufblasbaren Fendern, gibt es noch eckige Fender mit einer „festeren“ Füllung, meist aus PE-Schaum. Diese Kissenfender sind aber weniger belastbar und besonders bei Schleusenmanövern oder dem Anlegen an Hafenmauern nicht so abriebfest wie aufblasbare Fender. Kissenfender lassen sich auch bequem als Sitzkissen verwenden und werden mit zwei Fenderleinen am Relingsdraht oder an der Fußreling befestigt. Fenderleinen sollten immer aus weichem und nicht zu dickem (ca 10-12mm) Tauwerk bestehen. So lassen sie sich gut mit einem Webleinenstek befestigen.

Wie warte und pflege ich meine Bootsfender?

Damit aufblasbare Fender immer gut abfendern, sollte auf genügend Druck im Fender geachtet werden. Mit einer Fenderpumpe sollte man daher mindestens einmal in der Saison nachpumpen. Sollte der Fender ein Loch oder ein defektes Ventil haben lohnt es sich meist eher einen neuen zu kaufen, als ihn umständlich zu reparieren. Eine Ausnahme hierbei sind Fender der Marke Majoni, bei diesen lassen sich defekte Ventile erfreulicherweise sehr einfach austauschen. Eine Anleitung dazu findet sich bei youtube unter 12seemeilen.de oder hier: https://www.youtube.com/watch?v=2gusdOg8pAo. Bitte beim Aufpumpen unbedingt darauf achten, dass der Druck nicht mehr als 0,2 BAR beträgt und der Majoni-Fender nicht mit einer Fenderpumpe aufgepumpt wird die eine Nadeldüse besitzt.

Sogenannte Fendersocken sind für Fender der unterschiedlichen Größen erhältlich und können über Kugel- und Langfender gezogen werden. Sie schützen die Fender vor UV-Strahlung und Beschädigung und verlängern die Lebensdauer. Auch die regelmäßige Verwendung eines Fenderreiniger schützt vor UV-Licht und hält die Fender sauber. Fenderreiniger sind frei von Lösemitteln und verursachen keine klebrigen Oberflächen auf den Fendern. Bleibt noch die Frage:

„Wohin mit den Fendern an Bord?“

Da der Platz in den Backskisten auf einem Boot meist nicht ausreicht um alle Fender zu verstauen, kann man sie problemlos auch in den Bug- oder Heckkorb hängen. Idealerweise macht man das mit einem Webleinenstek mit halbem Schlag. An der Bordwand hängen lassen sollte man sie nicht! Es passt nicht zur „guten Seemannschaft“ und man will sie ja auch nicht auf seinem Törn verlieren.