In der Ruhe liegt die Kraft! Boote richtig und sicher vertäuen.

Immer dann, wenn Wind und Wellen zunehmen und an den Festmachern des Bootes rucken und zerren, kommt beim Skipper ein mulmiges Gefühl auf. Ist das Boot mit genügend Festmachern am Steg fest gemacht? Sind Material und Stärke der Leinen passend und ausreichend? 12seemeilen.de gibt Euch die Sicherheit für die passende Anschaffung von Leinen und Festmachern, damit die Yacht ruhig und sicher am Steg liegt.

Welchen Durchmesser benötigen meine Festmacher?

Die ideale Festmacherleine für das Boot muss diversen Anforderungen genügen. Als erstes muss sie natürlich für die Yacht genügend Haltbarkeit aufweisen. Damit sind wir beim Thema Bruchlast. So wird die maximal auf eine Leine wirkende Kraft bezeichnet die auf einen Festmacher wirken kann bis er bricht. Diese Bruchlast ist abhängig von Material und Herstellungsart der Leine, und – vor allen Dingen – von der Größe des Bootes. Die Größe der Yacht bestimmt den Durchmesser der Leinen. Die meisten Festmacher sind aus Polyamid oder Polyester gefertigt, bei diesem Material gilt als Faustregel für Yachten bis ca. 16 Meter Länge: Bootslänge in Metern +2 = Durchmesser der Leine! Wird Polypropylen als Material für die Festmacherleine verwendet, sind 2mm zusätzlich zu berücksichtigen. (siehe dazu auch: Welches Material ist für Festmacher sinnvoll?)

Wie viele Festmacher brauche ich an Bord und wie lang sollten sie sein?

Um sicher seitlich an Steg, Pier oder Kaimauer fest zu machen, sollten mindestens vier Landleinen an Bord vorhanden sein. Eine Vorleine (vom Bug nach vorne), eine Vorspring (vom Bug zur Stegmitte zwischen Bug und Heck), eine Achterleine (vom Heck nach hinten) und eine Achterspring (vom Heck zur Stegmitte zwischen Bug und Heck). Wird ein Boot mit diesen vier Leinen vertäut, liegt es auch bei Schwell fest an Ort und Stelle und kann nicht hin und her rutschen. Achterleine und Vorleine sollten in etwa die 1 bis 1,5fache Bootslänge haben. Die beiden Springleinen die 1,5 bis 2fache Bootslänge. Besondere Gegebenheiten am Steg, wie zum Beispiel lange Bootsboxen mit Heckpfählen oder ein seitlich in der Bootsbox angebrachter Steg, erfordern unter Umständen kürzere oder längere Leinen. Sie sind auch dann sinnvoll, wenn Festmacher bei Sturm und Wellengang doppelt genommen werden sollen. Damit kann der Ruck von den Leinen verteilt werden und das Boot liegt ruhiger.

Welches Material ist für Festmacher sinnvoll?

Hier kommt es vor allen Dingen neben der beschriebenen Bruchlast auf die Dehnfähigkeit, die Abriebfestigkeit und UV-Beständigkeit des Materials an. Letztere Anforderung ist bei Festmachern besonders wichtig, da zumindest die Festmacher am Steg der Sonne fast ununterbrochen ausgesetzt sind. Schlecht geeignet für Festmacher ist Polypropylen da es sehr UV-empfindlich ist, schnell brüchig und porös wird und schneller altert. Der Vorteil liegt aber in der Schwimmfähigkeit des Materials. Sollen Festmacher unbedingt schwimmen können, zum Beispiel um das Eindrehen der Landleinen in die Schiffsschraube zu verhindern, gibt es kaum eine Alternative zu Polypropylen. Dann sollte aber der Durchmesser der Festmacherleine ca 2mm größer sein als es die Faustformel vorgibt. Polyamid und Polyester erfüllen die Anforderungen an die Landleinen gut und sind die bevorzugten Materialien für alle Leinen zum Festmachen! Das Material ist abriebfest, UV-beständig, gut dehnfähig und beständig gegen Witterungseinflüsse. Einziger Nachteil von Polyamid ist dessen Wasseraufnahme. Dadurch quillt die Leine etwas und die Festigkeit verringert sich um ca. 10%. Polyester hat den Nachteil, der geringeren Dehnfähigkeit gegenüber Polyester. Beide Materialien sind nicht schwimmfähig. Ideal für Festmacher ist ein Kerngeflecht aus Polyestergewebe und ein Mantelgeflecht aus Polyamid.

Nach welcher Fertigungsart sollten Festmacher hergestellt sein?

Sieht man sich die Herstellungsart von Tauwerk an, sind bei Festmachern drei Arten zu unterscheiden:

Geschlagenes (gedrehtes) Tauwerk

Es besteht aus drei oder vier Kardeelen (Strängen) die umeinander gedreht sind und die Leine ergeben. Die Vorteile dieser Herstellung liegen in der großen Elastizität und damit in der guten Dämpfung die diese Festmacher besitzen. Sie sind auch für den im Spleißen wenig geübten Skipper gut zu bearbeiten. Es sollte dabei aber beachtet werden, dass die Drehung und Drehrichtung des Tauwerks nicht verlorengeht. Ansonsten geht die Leine auf und die einzelnen Kardeele lösen sich auf.

Geflochtenes Tauwerk

Bei der Herstellung werden mehrere Kardeele miteinander verflochten. Die Leinen erhalten dabei – anders als bei geschlagenem Tauwerk eine glatte Oberfläche und sind nicht in eine Richtung gedreht. Allerdings ist geflochtenes Tauwerk schwieriger bis gar nicht zu spleißen. Nämlich dann, wenn das Kerngeflecht und das Mantelgeflecht sehr dicht und eng aufeinander verarbeitet sind. Auch die Dehnfähigkeit ist geringer als bei geflochtenem Tauwerk.

Vierkantgeflecht

Es ist für Festmacher besonders geeignet. Es heißt so, weil vier Kardeele so verflochten werden, dass sich ein annähernd quadratischer Querschnitt ergibt. Vierkantgeflecht, auch Squareline genannt, weist eine besonders hohe Dehnfähigkeit auf, lässt sich gut auf Klampen belegen und neigt nicht dazu sich zu verdrehen (vertörnen).

Wie kann man die Ruckdämpfung von Festmachern noch steigern?

Auf die Leinen aufkommender Ruck und Zug ist dafür verantwortlich, wenn eine Yacht im Schwell unruhig liegt. Das führt nicht nur zu ungemütlichen Tagen und unruhigen Nächten an Bord, sondern es kommt auch zu Materialermüdungen in den Verschraubungen von Klampen, Ösen und Klüsen. Je mehr Dehnung eine Leine aufweisen kann, desto größer ist ihre Dämpfungseigenschaft. Werden Festmacherleinen doppelt genommen, verteilt sich die auf sie wirkende Kraft und damit auch auf die Beschläge an Bord. Vorausgesetzt, die Leinen sind in entsprechender Länge vorhanden. Zusätzlich können Ruckdämpfer in die Festmacher eingesetzt werden. Sie bestehen entweder aus Gummi oder aus einer Stahlfeder und vermindern die aufkommenden Kräfte erheblich.

Warum ein fest eingespleißtes Auge im Festmacher?

Wenn eine Yacht einen festen Liegeplatz hat und dort die meiste Zeit im Jahr liegt, ist es für schnelles An- und Ablegen vorteilhaft, die Festmacher fest am Steg anzubringen und beim Ablegen dort zu belassen. Man kann sie dann bei der Rückkehr einfach mit einem Auge über die Klampen an Bord belegen. Das geschieht schnell und vor allem bei einer weniger geübten Crew sicherer als bei Festmachern die immer wieder neu an Steg und Boot belegt werden müssen. Voraussetzungen dafür sind korrekt angepasste Leinenlängen und eingespleißte Augen auf der Bootsseite zum Überlegen auf die Klampen. Niemals die Augen nur mit Knoten (z.B. einem Palsteg) in die Festmacher einarbeiten. Die Bruchlast der Leine vermindert sich um bis zu 50% gegenüber einem Spleiß! Verbleiben die Festmacher am Steg, daran denken, dass sich ein zweiter Satz Leinen an Bord befindet. Schließlich muss das Boot auch in Schleusen und in anderen Häfen sicher liegen.

Was tun, wenn Festmacher hart und spröde werden?

Selbst neue Festmacher können bereits nach einigen Wochen in Seegewässern härter werden. Verantwortlich dafür ist das Salz im Wasser, beim Trocknen härtet es die Leinen aus. Durch Spülen mit Süßwasser wird das Salz leicht wieder ausgespült. Spätestens nach jeder Saison sollten Festmacher deshalb gereinigt werden. Sind sie sehr verschmutzt, kann dazu auch eine geringe Menge Feinwaschmittel nötig sein, natürlich nur, wenn zum Schluss immer gut gespült wird. Mit der Zeit verlieren alle Leinen ihre Dehnfähigkeit und spätestens wenn sich erste Auflösungserscheinungen wie abgeriebene oder brüchige Fasern zeigen, sollten alle Enden ersetzt werden. Entweder durch neue, vorkonfektionierte in passender Länge und mit eingespleißten Augen oder aber als Meterware. Dann hat der Skipper eventuell mit dem Spleißen der Leinen wieder eine Aufgabe für lange Wintertage.