Welches Antifouling für welches Boot – und wann und wie sollte es verarbeitet werden?

12seemeilen.de hat für Euch das große Thema „Antifouling“ hinterfragt.

Der Schutz vor Bewuchs am Unterwasserschiff

Die erste Frage, die sich manch einer vielleicht stellt, lautet: Ist Antifouling wirklich notwendig? Spätestens dann, wenn das Boot im Herbst geslippt wird und sich unschöner Bewuchs am Rumpf festgesetzt hat, beantwortet sich die Frage quasi von selbst. Wer sein Boot über einen längeren Zeitraum im Wasser liegen lässt, tut gut daran, es vor der nächsten Saison mit einem Antifouling-Anstrich zu versehen. Denn mit Saugnäpfen können im Wasser lebende Organismen wie Miesmuscheln, Rankenfußkrebse und Algen den Schiffsrumpf besiedeln. Diesen Prozess bezeichnet man als Fouling oder Anwuchs. Jeder, der einmal versucht hat, die Organismen manuell zu entfernen, weiß wie gut die Werkzeuge dieser Wassertiere funktionieren. Dennoch sollte der Anwuchs nicht am Rumpf belassen werden. Das Schiff wird bei zunehmendem Bewuchs immer schwerer und der Strömungswiderstand steigt. Dadurch verlangsamt sich die Fahrt, was den Treibstoffverbrauch erhöht und schließlich zu höheren Kosten führt. Doch ein wirtschaftlicher Schaden ist nicht das einzige Übel. Auch die Manövrierfähigkeit des Bootes leidet unter dem Anwuchs. Zudem begünstigt das Fouling Korrosion und vermindert so die Lebensdauer des Schiffes. Daher ist ein Anwuchs nicht nur unschön anzusehen, sondern stellt auch eine Gefahr für die Sicherheit an Bord dar. Deswegen wird auf Antifouling zurückgegriffen. Wie schon der Name verrät, handelt es sich bei Antifoulings um Produkte, die dem Fouling entgegenwirken. Sie verhindern effektiv das Anwachsen von Wasserorganismen und gewährleisten ein sauberes Unterwasserschiff.

Welches Antifouling ist das richtige?

Nicht jedes Antifouling hält auf jedem Material. Während ein Großteil der Antifoulings auf GFK, Holz und Stahl haftet, ist die Auswahl bei Edelstahl oder Aluminium gering. Ein Antifouling, welches viele Materialien und insbesondere Aluminium unterstützt, ist Trilux33 von International. Für gewöhnlich finden sich die entsprechenden Angaben auf den Dosen, der Herstellerseite oder auf der Produktseite des entsprechenden Antifouling in unserem Shop.

Die Geschwindigkeit des Bootes

Auch die Geschwindigkeit des Bootes ist ein wichtiger Faktor bei der Wahl eines geeigneten Antifoulings. Generell wird zwischen selbstpolierendem Antifouling und Hartantifouling unterschieden. Die selbstpolierende Variante gibt mit der Zeit ein Biozid an das Wasser ab und erzeugt somit eine Schicht um den Rumpf, welche das Anhaften von Wasserorganismen verhindert. Durch das harte Antifouling hingegen entsteht eine robuste „Lackschicht“. Durch ihre besonders glatte Oberfläche verhindert sie den Bewuchs. Da ein selbstpolierendes Antifouling durch Reibung seine Biozide freisetzt und bei mehr Reibung auch mehr und schneller frei gesetzt wird, ist ein selbstpolierendes Antifouling für schnelle Boote nicht geeignet, da es sich bei einer schnellen Fahrt zu schnell ablösen würde. Der Hersteller International gibt für die selbstpolierenden Produkte eine Grenze von 25 Knoten an. Ein besonders robustes, hartes Antifouling von International ist VC Offshore EU, welches daher vor allem für schnelle Boote geeignet ist. Seine besondere Wirkweise wird durch den Zusatz von Teflon in diesem Produkt erreicht.

Die Bewuchsverhältnisse des Gewässers

Je nach Gewässer befinden sich dort mehr oder weniger Wasserorganismen, die am Rumpf festwachsen können. Daher muss ein Antifouling gewählt werden, welches für die entsprechenden Bewuchsverhältnisse geeignet ist. Wenn man sich nicht sicher ist, wie hoch der Anteil an Wasserorganismen im entsprechenden Gewässer ist, ist es hilfreich, andere Bootseigner nach ihren Erfahrungen zu fragen. Für besonders schwere Bewuchsverhältnisse eignet sich das Antifouling Micron350.

Die Kompatibilität von Antifouling

Wer in der Vergangenheit sein Boot bereits mit einem Antifouling gestrichen hat, muss darauf achten, dass das neue Antifouling auf der alten Schicht haftet, da nicht jedes Antifouling mit jedem anderen Antifouling beliebig kombinierbar ist. Eventuelle Unverträglichkeiten sollten also vorher recherchiert werden. Wenn man sich nicht mehr erinnern kann, welches Antifouling zuletzt verwendet wurde, sollte das Unterwasserschiff abgeschliffen und neu grundiert werden, bevor ein Anstrich mit Antifouling geschieht. Alternativ reicht es auch, die alte Lackierung nur anzuschleifen und mit Primocon eine Sperrschicht aufzutragen. Lediglich bei Antifouling VC 17m kann kein Primocon verwendet werden, da die beiden Produkte nicht miteinander kompatibel sind. Hier hilft nur das völlige Entfernen des alten Antifouling oder das Streichen eines Sperrgrund.

Länderspezifische Gesetze

Wenn man in internationalen Gewässern unterwegs ist, sollte man beachten, dass nicht alle Antifoulings in allen Ländern zugelassen sind. In den Niederlanden beispielsweise sind die meisten auf dem Markt erhältlichen Antifoulings aus Umweltschutzgründen verboten. Seajet 023 Teichi ist hierbei eine der wenigen Ausnahmen. Dieses selbstpolierende Antifouling hat eine Zulassung für die Niederlande. Es ist sowohl für Süß- als auch für Salzwasser geeignet.

Die Wahl der richtigen Grundierung

Die Wahl einer passenden Grundierung fällt aufgrund der geringeren Auswahl im Vergleich zum Antifouling wesentlich leichter. Unterschieden wird hierbei in erster Linie zwischen Grundierungen für den Überwasserbereich und Unterwasserbereich. Des Weiteren unterscheiden sich Primer in ihrer typischen Verwendung. So gibt es Grundierungen wie beispielsweise Primocon, die als Sperrgrund zwischen unverträglichen Antifoulings dienen, während Primer wie Gelshield Plus zur Sanierung von osmotischen Blasen verwendet werden. Außerdem gibt es Grundierungen, die sich durch einen besonderen Korrosionsschutz oder Osmoseschutz auszeichnen.

Das richtige Auftragen von Antifouling und Grundierungen

Hat man sich nun für ein geeignetes Antifouling und dessen dazu gehörige Grundierung entschieden, gilt es diese nun aufzutragen. Aber auch hier müssen einige wichtige Punkte beachtet werden:

Gesundheitsschutz beim Auftragen von Antifouling und Primern

Das Einatmen von giftigen Stäuben, Lösungsmitteldämpfen sowie Spritznebel kann die Gesundheit gefährden. Daher sollten ausreichende Schutzmaßnahmen getroffen werden, bevor mit dem Streichen begonnen wird. Grundsätzlich sollte immer für eine gute Belüftung gesorgt werden. Wenn dies nicht möglich ist, ist es empfehlenswert eine Atemschutzmaske zu tragen. Der Kontakt mit manchen Farben kann zu Hautirritation führen. Deswegen sollte eine Schutzkleidung mit Schutzhandschuhen sowie Schutzbrille getragen werden. Wenn dennoch Farbspritzer auf die Haut gelangen, sollte die Farbe mit reichlich Wasser und Seife abgewaschen werden. Zudem ist Antifouling leicht entzündlich, weshalb am Ort der Verarbeitung offene Flammen und rauchen unterlassen werden sollten. Funkenflug  von Schleifgeräten kann ebenfalls gefährlich werden. Generell sollte an Orten, an denen Antifouling gelagert und verarbeitet wird, nicht gegessen oder getrunken werden, damit es nicht versehentlich zu einem Verschlucken von Farbe kommt. Geschieht dies dennoch, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Vorbereitung für den Anstrich mit Antifouling

Je nachdem aus welchem Material das Boot besteht, muss dieses unterschiedlich vorbereitet werden. Rückstände des alten Antifoulings sollten generell vor dem Auftrag eines neuen Antifoulings entfernt werden. Ein Hochdruckreiniger ist speziell bei selbstpolierendem Antifouling ein geeignetes Instrument dafür. In manchen Fällen ist es zudem ratsam, das alte Anstrichsystem komplett zu entfernen, bevor die neuen Produkte aufgetragen werden, da nur so eine gute Haftung erzielt wird. Dies ist insbesondere dann notwendig, wenn sich der bisherige Anstrich in einem sehr schlechten Zustand befindet oder der alte Anstrich ein 1-Komponenten System ist und es sich bei den neuen Produkten um ein 2-Komponenten System handelt. Generell gilt, dass alle Oberflächen entfettet werden sollten und frei von Schleifrückständen sein müssen, bevor sie gestrichen werden. Öle und Fette, die sich auf dem Unterwasserschiff befinden, können die Haltbarkeit des Antifoulings verringern. Mit der passenden Verdünnung oder Super Cleaner von International wird das Material anschließend entfettet und gereinigt. Nachdem der Rumpf getrocknet ist, kann zunächst die Grundierung aufgetragen werden. Um eine saubere farbliche Trennung zwischen Unterwasserschiff und dem Rest des Bootes zu erhalten, kann mit Klebeband die Linie zwischen Unterwasserschiff und dem Rest des Bootes abgeklebt werden. Nach dem Streichen wird das Klebeband abgezogen und man erhält ohne penible Pinselführung einen sauberen Unterwasseranstrich.

Applikationsmethoden

Ideal ist der Auftrag durch Aufspritzen. So entsteht ein äußerst gleichmäßiger und glatter Anstrich. Dies ist jedoch nicht mit allen Antifoulings möglich und nicht jeder hat die Ausrüstung dazu. Idealerweise wird Antifouling mit einer Rolle aufgetragen. Mit einer Schaumstoffrolle erzielt man besonders glatte Anstriche, was die gute Wirkung des Antifoulings fördert. Allerdings kann sich bei längerem Gebrauch der Schaumstoff der Rolle auflösen. Sie sollte deshalb öfter gewechselt werden. Alternativ bieten sich auch Kurzhaarrollen an. Hier sollte dann auf einen möglichst glatten Anstrich geachtet werden.

Zeitpunkt des Auftrags

Idealerweise bringt man Antifouling im Frühjahr auf. Dann ist die Standzeit des Bootes gering und die Wirkung des Antifoulings wird mit Zuwasserlassen des Bootes genutzt. Hierbei sollte aber auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit geachtet werden. Ansonsten kann es passieren, dass das Antifouling keinen ausreichenden Halt findet und im Laufe der Saison abplatzt. Diesbezüglich bietet sich der Herbst als „Sreich- und Lackierzeit“ an. Allerdings kann nicht jedes Antifouling bereits mit so viel Vorlaufzeit verarbeitet werden. Micron350 ist beispielsweise ein Antifouling, mit dem man das Boot bis zu 12 Monate vor dem nächsten Slippen streichen kann. Alle Hersteller geben auf den Produkten oder auf ihren Webseiten entsprechende Hinweise.

Antifouling auftragen

Wenn alle Punkte beachtet wurden, das Bootsbaumaterial gründlich vorbereitet wurde, genügend Schichten Grundierung aufgetragen wurden und diese lange genug getrocknet sind, kann das Antifouling letztendlich aufgetragen werden. Handelt es sich um ein mehrkomponentiges Antifouling, müssen die einzelnen Komponenten entsprechend der Verpackungsangaben vermischt werden. In jedem Fall sollte das Antifouling gründlich umgerührt werden. Es gilt zu beachten, wie viele Schichten das Antifouling aufgetragen werden sollen. Ebenfalls müssen die Trocknungszeiten zwischen den Schichtaufträgen und vor dem Slippen berücksichtigt werden. Kälte sowie hohe Luftfeuchtigkeit erhöhen die Trocknungszeit. Hohe Temperaturen hingegen verkürzen die Trocknungszeit und können den Anstrich erschweren. In diesem Fall kann eine spezielle Verdünnung Abhilfe schaffen. Zudem sollte es vermieden werden, in direktem Sonnenlicht zu streichen, da sich anderenfalls die Verlaufseigenschaften der Farbe verändern. Für eine leichtere Verarbeitung und Reinigung der Arbeitsgeräte kann ebenfalls eine Verdünnung genutzt werden. Hierbei muss auch auf entsprechende Kompatibilität geachtet werden. Diese Angaben befinden sich in der Regel auf der Dose des Produktes.

Auch Außenborder, Propeller, Saildrives, Kiele und Bugstrahler müssen mit Antifouling behandelt werden, da Anwuchs hier zu beträchtlicher Einschränkung des Antriebs sorgen kann. Da diese Stellen mit Pinsel und Farbroller eher schwer zugänglich sind, bietet International ein Antifouling in der Sprühdose an, welches den Auftrag stark vereinfacht. Opferanoden am Rumpf, am Saildrive oder an der Welle dürfen nicht mit gestrichen werden da sie ansonsten keine direkte Verbindung mehr zwischen dem Bootsmaterial und dem Wasser herstellen.

Und nun viel Spaß und Erfolg bei Eurer Arbeit und eine schöne Bootssaison